UM-BENANNT. Straßennamen und Erinnerungspolitik in der Lehre
Von Constanze Jeitler
Die Ausstellung UM-BENANNT. Straßennamen und Erinnerungskultur in München ist das Ergebnis von zwei Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2025/26 bzw. im Sommersemester 2026 am Historischen Seminar der LMU München. Durch die Übungen sollten Studierende aktiv in die Recherche, Konzeption und Umsetzung der Ausstellung im Rahmen einer Übung eingebunden werden.
Im Wintersemester 2025/26 widmeten wir uns in einer Übung im Modul „Quellen und Forschung“ für Bachelor- und Lehramtsstudierende (2 SWS, 3 ECTS) der Bedeutung der Namen und Straßen und Plätzen im Kontext des öffentlichen Ehrens und Erinnerns. Dabei beschäftigten wir uns mit Um-, Rück- und Neubenennungen als Resultate von politischen Entscheidungsprozessen, Ausdruck von Machtverhältnissen und mitunter zivilgesellschaftlichen Anfechtungen.

Von Anfang an war klar, dass Straßennamen immer wieder mit politischen Umbrüchen und sich verändernden gesellschaftlichen Perspektiven in Konflikt geraten. Während des Semesters machte die Übung Exkursionen in die DenkStätte Weiße Rose und ins Stadtarchiv München, wo die Studierenden eigenständig mit Archivalien in Vorbereitung für ihre Referate arbeiteten.
Auszug aus dem Semesterplan:
- Einführung in das Thema und Vorstellung des Kurses: Benennungen von Straßen und Plätzen als Spannungsfeld der Geschichtspolitik (und Erinnerungskultur)
- "Hauptstadt der Bewegung" - Die Befreiung Münchens vom Nationalsozialismus am 30. April 1945
- Der öffentliche Raum als Bühne für Geschichtspolitik und Erinnerungskultur
- Ehrregime: Wer ehrt wen, wann, wie, wo, warum?
- Quellenanalyse und Blitzexposé: Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats (1946)
- Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Umbenennungen im internationalen Vergleich
- Straßennamen interdisziplinär: Qualitative und quantitative Analysen aus Soziologie, Geografie, Kultur- und Sozialanthropologie
In ihren Referaten beschäftigen sich die Studierenden u.a. mit folgenden Themen:
- Ämter und ihre Aufgabe: Die Rekonstituierung der Stadtverwaltung nach Kriegsende
- Berichterstattung und öffentliche Debatten über Straßennamen damals und heute
- Platz der Opfer des Nationalsozialismus
- Weiße Rose: Die (späte) Ehrung von Willi Graf im Stadtplan (1963)
- Das bauliche Erbe der Hauptstadt der Bewegung: Haus der Kunst
- Umbenannt nach 1945 und heute belastet: Die Kardinal-Faulhaber-Straße
Im Sommersemester 2026 widmeten wir uns in einer Übung im Modul „Theorie und Methoden“ für Bachelor- und Lehramtsstudierende (2 SWS, 3 ECTS) der Frage, wie wir Geschichte sichtbar, erfahrbar und erzählbar machen können. Im Zentrum stand dieses Semester weniger die Suche, sondern die „Inszenierung“ der Quellen im Rahmen der Ausstellung.

Die Übung widmete sich zunächst theoretischen Grundlagen der Ausstellungskonzeption und bearbeitete das Grobkonzept der Ausstellung. Dabei beschäftigten wir uns mit den vielfältigen Formen der Vermittlung von Wissen über die Vergangenheit und der Erinnerung an vergangene Ereignisse im musealen und öffentlichen Raum. Ausgehend von aktuellen Fragestellungen der Public History und der Museum Studies beschäftigten wir uns mit den Grundlagen des Storytellings, der Inszenierung und der Vermittlung im physischen und digitalen Raum, aber auch der Analyse von Ausstellungen und musealen Räumen.
Für ihre Essays arbeiteten die Studierenden mit Quellen aus dem Stadtarchiv, die als Digitalisate zur Verfügung gestellt wurden.
Auszug aus dem Semesterplan:
- Einführung, Kennenlernen, Kurskonzept: Geschichte ausstellen – warum, wie, für wen?
- Was bisher geschah: Das Kriegsende in München, Entnazifizierung des öffentlichen Raums, Umbenennungen als Instrument der Geschichtspolitik
- Public History, Geschichtspolitik und Erinnerungskultur
- "Museumsdinge": Quellen und Objekte, Bilder und Texte / (Ausstellungs-) Texte schreiben
- Dramaturgie und Szenografie: Geschichte(n) erzählen
- Nation, kulturelles Erbe, Tourismus
- Erinnerungen und Ehrungen im Museum
- Geschichte virtuell vermitteln: Digitale Ausstellungen und Social Media
Für ihre Essays arbeiteten die Studierenden mit Quellen aus dem Stadtarchiv, die als Digitalisate zur Verfügung gestellt wurden.